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MPU verstehen · Grundlagen

Was ist eine MPU? Eine Prognose, kein Test.

Die medizinisch-psychologische Untersuchung klärt, ob von Ihnen künftig ein Risiko im Straßenverkehr ausgeht.

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Kurz gesagt

Die MPU ist ein Gutachten über Ihre Fahreignung. Die Führerscheinstelle ordnet sie an, wenn Tatsachen Zweifel begründen, dass Sie sicher fahren.

  • Durchgeführt wird sie von amtlich anerkannten Begutachtungsstellen für Fahreignung, nicht von der Behörde selbst.
  • Sie besteht aus medizinischer Untersuchung, Leistungstest und psychologischem Gespräch. Das Gespräch wiegt am schwersten.
  • Geprüft wird nicht die alte Tat, sondern ob sich Ihr Verhalten nachvollziehbar und stabil verändert hat.
  • Ohne positives Gutachten gibt es keine Fahrerlaubnis. Umgehen lässt sich die MPU nicht.
Vollständiger Name
Medizinisch-psychologische Untersuchung
Rechtsgrundlage
§§ 11, 13, 13a, 14 FeV, § 4 Abs. 10 StVG
Wer ordnet an?
Die Fahrerlaubnisbehörde (Führerscheinstelle)
Dauer am Termin
meist 2–4 Stunden
Ergebnis
in der Regel nach 2–3 Wochen

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Was die MPU eigentlich ist

Die MPU ist keine Strafe und keine Prüfung, die man „schafft“ wie eine Führerscheinprüfung. Sie ist eine Prognose: Ein Arzt und ein Psychologe beurteilen gemeinsam, ob zu erwarten ist, dass Sie wieder auffallen, etwa erneut unter Alkohol fahren.

Das Ergebnis ist ein schriftliches Fahreignungsgutachten. Es beantwortet genau die Frage, die die Führerscheinstelle gestellt hat. Die Entscheidung über den Führerschein trifft danach die Behörde, nicht die Begutachtungsstelle.

Umgangssprachlich heißt die MPU oft „Idiotentest“. Das trifft es nicht. Intelligenz spielt keine Rolle. Es geht um Einsicht, Verhalten und deren Stabilität.

Wer die MPU anordnet und warum

Anordnen darf die MPU nur die Fahrerlaubnisbehörde, in Köln die Führerscheinstelle der Stadt. Ein Gericht verhängt die Sperrfrist, ordnet die MPU aber nicht an. Die Behörde braucht dafür Tatsachen, die Zweifel an Ihrer Eignung begründen. Die wichtigsten Grundlagen:

VorschriftWann sie greift
§ 13 FeVAlkohol: regelmäßig ab 1,6 ‰, bei wiederholten Alkoholfahrten oder Anzeichen für Missbrauch
§ 13a FeVCannabis seit 01.04.2024: Anzeichen für Missbrauch oder Abhängigkeit, wiederholte Zuwiderhandlungen
§ 14 FeVAndere Drogen und Arzneimittel
§ 11 FeVAllgemeine Eignungszweifel, etwa erhebliche oder wiederholte Verstöße und Straftaten mit Aggressionspotenzial
§ 4 Abs. 10 StVGNeuerteilung nach Entziehung wegen 8 Punkten: frühestens nach 6 Monaten, MPU in der Regel erforderlich

Häufig wird die MPU erst beim Antrag auf Neuerteilung nach Ablauf der Sperrfrist verlangt. Sie kann aber auch angeordnet werden, solange Sie den Führerschein noch haben. Dann setzt die Behörde eine Frist, und es lohnt sich, sofort zu handeln: Führerscheinrettung prüfen.

Welcher Grund in Ihrem Fall vorliegt, lesen Sie in der Fragestellung der Behörde. Sie steht im Anordnungsschreiben und bestimmt, was in der MPU untersucht wird. Einen Überblick über alle Anlässe finden Sie unter MPU-Gründe.

Fragen zu der MPU? Wir helfen gern.

Schreiben Sie uns einfach, wie Ihr Fall aussieht. Unser Team antwortet persönlich, unverbindlich und kostenlos.

Wer die MPU durchführt

Die Untersuchung übernehmen amtlich anerkannte Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF). Bekannte Träger sind zum Beispiel TÜV, DEKRA, PIMA, ABV oder AVUS. Die Anerkennung regelt § 66 FeV; Voraussetzung ist eine Akkreditierung bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt).

Sie dürfen die Begutachtungsstelle frei wählen, bundesweit. Die Behörde schickt Ihnen dafür eine Einverständniserklärung mit Vorschlägen, an die Sie nicht gebunden sind. Erst wenn Sie unterschrieben haben, geht Ihre Akte an die gewählte Stelle.

Wichtig: Begutachtungsstellen dürfen Sie nicht auf die MPU vorbereiten. Begutachtung und Beratung sind streng getrennt. Vorbereitung bieten unabhängige Beratungsstellen wie wir an.

Die drei Teile der Untersuchung

Zu Beginn füllen Sie Fragebögen zu Lebenslauf, Gesundheit und Ihrer Führerscheingeschichte aus. Danach folgen drei Teile:

1. Medizinische Untersuchung

Eine Ärztin oder ein Arzt fragt nach Erkrankungen, Medikamenten und Konsum, untersucht Sie körperlich und nimmt je nach Anlass Blut (Leberwerte bei Alkohol) oder Urin (bei Drogen). Mitgebrachte Abstinenznachweise werden hier geprüft.

2. Leistungstest

Am Computer werden Reaktion, Konzentration und Wahrnehmung unter Belastung gemessen. Für Pkw und Motorrad muss jeder Wert über Prozentrang 16 liegen, für Lkw und Bus über 33.

3. Psychologisches Gespräch

Der Kern der MPU, etwa eine Stunde. Ein Verkehrspsychologe will verstehen, wie es zu den Auffälligkeiten kam, was Sie verändert haben und warum diese Veränderung hält. Hier fallen die meisten Entscheidungen.

Den kompletten Ablauf Schritt für Schritt lesen

Begutachtungsleitlinien und Beurteilungskriterien

Gutachter urteilen nicht nach Gefühl. Zwei Regelwerke geben den Maßstab vor:

  • Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung: von der BASt herausgegeben. Sie beschreiben, welche Erkrankungen, Konsummuster und Auffälligkeiten die Eignung in Frage stellen und welche Voraussetzungen für eine positive Prognose erfüllt sein müssen. Auch die Grenzwerte der Leistungstests stammen daraus.
  • Beurteilungskriterien (Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung): von den Fachgesellschaften für Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin. Sie ordnen jeden Fall einer Hypothese zu und legen fest, welche Kriterien erfüllt sein müssen, zum Beispiel wie lange eine Abstinenz belegt sein sollte.

Für jeden Anlass gibt es eigene Hypothesen: die A-Kriterien bei Alkohol, die D-Kriterien bei Drogen und die V-Kriterien bei Verkehrsverstößen und Straftaten. Wer weiß, welche Hypothese auf ihn zutrifft, weiß auch, was der Gutachter sehen will.

Mögliche Ergebnisse

ErgebnisBedeutungNächster Schritt
PositivKeine erneute Auffälligkeit zu erwartenGutachten bei der Führerscheinstelle einreichen, Neuerteilung abwarten
Positiv mit KursempfehlungRestzweifel, die ein Kurs ausräumen kannKurs nach § 70 FeV mit Zustimmung der Behörde, danach Neuerteilung ohne neue MPU
NegativDie Zweifel sind nicht ausgeräumtGutachten nicht einreichen, Begründung auswerten, gezielt neu vorbereiten

Das Gutachten geht in der Regel zuerst an Sie. Sie entscheiden, ob Sie es vorlegen. Legen Sie es nicht vor, darf die Behörde allerdings davon ausgehen, dass Sie nicht geeignet sind (§ 11 Abs. 8 FeV). Ein negatives Ergebnis lässt sich deshalb nicht aussitzen, aber in Ruhe auswerten.

Was die MPU kostet

Die Gebühr der Begutachtungsstelle hängt vom Anlass ab: rund 663 € bei Verkehr oder Straftaten, 728 € bei Alkohol, 855 € bei Drogen, bei kombinierten Fragestellungen bis 1.214 € (Stand laut Begutachtungsstellen, kann abweichen). Die Gebühr wird meist vorab bezahlt.

Hinzu kommen je nach Fall Abstinenznachweise, die Gebühr für den Antrag auf Neuerteilung und gegebenenfalls eine Vorbereitung. Alle Kosten mit Beispielrechnungen

Zeitplan: Wie lange alles dauert

Die MPU selbst dauert nur einen Vormittag. Den Zeitplan bestimmen die Schritte davor:

PhaseTypische Dauer
Sperrfrist nach Entziehung durch das Gericht6 Monate bis 5 Jahre (§ 69a StGB)
Abstinenznachweis, falls nötigmeist 6–15 Monate, je nach Hypothese
Vorbereitungmeist 3–12 Monate, parallel zu den Nachweisen
Vom Einreichen der Einverständniserklärung bis zum Terminlaut Erfahrung oft 4–5 Wochen, kann abweichen
Termin bis Gutachtenin der Regel 2–3 Wochen
Bearbeitung der Neuerteilunglaut Erfahrung oft 6–8 Wochen, kann abweichen

Die Sperrfrist ist deshalb Vorbereitungszeit. Den Antrag auf Neuerteilung können Sie frühestens sechs Monate vor ihrem Ende stellen.

Mythen und Fakten

Rund um die MPU kursieren viele Halbwahrheiten. Die häufigsten im Abgleich:

MythosFakt
„Die MPU ist ein Intelligenztest.“Nein. Geprüft werden Gesundheit, Leistungsfähigkeit und vor allem Ihr Verhalten und dessen Veränderung.
„Nach 10 Jahren verjährt die MPU.“Eine MPU-Anordnung verjährt nicht. Entscheidend ist, ob die Tat im Register noch verwertbar ist. Mehr zur Verjährung
„Ich muss die vorgeschlagene Begutachtungsstelle nehmen.“Nein. Sie wählen frei unter allen anerkannten Stellen in Deutschland.
„Das Gutachten geht automatisch an die Behörde.“Nur, wenn Sie das ausdrücklich erlauben. Lassen Sie es zuerst an sich selbst schicken.
„Bei Alkohol muss ich immer abstinent leben.“Nicht immer. Je nach Hypothese kann kontrolliertes Trinken genügen.
„Mit guten Antworten aus dem Internet komme ich durch.“Auswendig gelernte Antworten fallen auf. Überzeugend ist nur, was Sie selbst verstanden haben.
„Mit einem EU-Führerschein umgehe ich die MPU.“Ein im Ausland während oder trotz Sperre erworbener Führerschein wird in Deutschland in der Regel nicht anerkannt.
„Vorbereitung ist Pflicht.“Nein. Sie ist freiwillig. Sinnvoll ist sie, weil das Gespräch Einsichten verlangt, die man sich vorher erarbeiten muss.

So bereiten Sie sich sinnvoll vor

Gute Vorbereitung beginnt mit der Akte: Was genau ist passiert, welche Fragestellung hat die Behörde formuliert, welche Hypothese ist wahrscheinlich? Daraus folgt, welche Nachweise Sie brauchen und wann ein Termin realistisch ist.

In Einzelsitzungen arbeiten wir an den Ursachen, bis Sie Ihre Geschichte schlüssig und in eigenen Worten erzählen können. Vor dem Termin simuliert ein anderer Psychologe das Gespräch. So läuft unsere MPU-Vorbereitung · Häufige Fragen

HinweisDiese Seite erklärt die allgemeine Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung. Gebühren und Bearbeitungszeiten können sich ändern; maßgeblich sind die Angaben der Begutachtungsstelle und Ihrer Führerscheinstelle.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was bedeutet MPU?

MPU steht für medizinisch-psychologische Untersuchung. Sie klärt in einem Gutachten, ob Sie zum Führen eines Fahrzeugs geeignet sind, und wird von der Führerscheinstelle angeordnet.

Wer entscheidet, ob ich zur MPU muss?

Die Fahrerlaubnisbehörde. Das Gericht entzieht die Fahrerlaubnis und setzt eine Sperrfrist, die MPU ordnet aber die Führerscheinstelle an, meist beim Antrag auf Neuerteilung.

Kann ich die Begutachtungsstelle selbst aussuchen?

Ja. Sie wählen frei unter allen amtlich anerkannten Begutachtungsstellen in Deutschland und teilen Ihre Wahl mit der Einverständniserklärung mit.

Wie lange dauert die MPU?

Der Termin dauert meist zwei bis vier Stunden. Planen Sie den ganzen Tag ein. Das Gutachten kommt in der Regel zwei bis drei Wochen später.

Was passiert, wenn ich die MPU nicht mache?

Dann bekommen Sie keine Fahrerlaubnis. Wer das Gutachten nicht fristgerecht vorlegt, muss damit rechnen, dass die Behörde auf fehlende Eignung schließt und den Antrag ablehnt oder die Fahrerlaubnis entzieht.

Wie oft kann ich die MPU wiederholen?

Eine gesetzliche Höchstzahl gibt es nicht. Sinnvoll ist ein neuer Versuch aber erst, wenn die Gründe des negativen Gutachtens bearbeitet sind.

Muss ich mich auf die MPU vorbereiten?

Nein, Vorbereitung ist freiwillig. Weil das Gespräch Einsicht und belegte Veränderung verlangt, lohnt sie sich aber in den meisten Fällen. Zur Vorbereitung

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